Zwei Titel, unplugged, zur Buchmesse: Carlo Schäfer und Amanda Lee Koe

We proudly present (und platzen zwischendurch ein wenig vor Stolz): unsere zwei gedruckten Titel diesen Herbst.

Schmutz, Katz & Co.

Schäfer_Schmutz_Katz_coDieser Erzählband versammelt Carlo Schäfers Prosatexte, allesamt Meisterwerke literarischer (Hoch-)Komik. Der subtil gewobene Miniaturenroman »Der Tod dreier Männer“, angesiedelt in zutiefst verbrecherischen Gegenden der menschlichen Seele; der brillante Kurz-Krimi »Kinder und Wölfe«; die fiese Erzählung »Kurpfalz is Himmel« – und die perfekt komponierte lange Novelle »Dr. Katz, der vermutlich schwärzeste Text der deutschen Literatur. Der allmähliche Zerfall des Schullehrers Katz, der auf die Gleichgültig der Welt mit womöglich noch größerer Indolenz reagiert ist verzweifelt, melancholisch, gnadenlos und konsequent bis zum bitteren Ende. Und dabei rasend komisch, das exakte Gegenstück von „lustig“.

Carlo Schäfer schreibt da weiter, wo Nikolai Gogol, Franz Kafka und Daniil Charms aufgehört haben: Über das Groteske und Irre der Welt – präzise, genau, wahnwitzig, komisch und hammerhart.

So leise radikal, so konsequent verzweifelt-heiter-giftig, so kompromisslos subversiv ist unsere Welt in der deutschsprachigen Literatur seit ewigen Zeiten nicht mehr in eine ästhetisch brillante Form gebracht worden.

Mehr über das Buch hier.

Ministerium für öffentliche Erregung

Amanda-Lee-Koe_Ministerium_350Amanda Lee Koe betrat die Bühne der Weltliteratur mit einem Knall: Das Debüt der jungen Autorin, die in Singapur und New York lebt und u.a. als Literaturredakteurin für den Esquire arbeitet, wurde mit Preisen überhäuft. Es gewann den Singapore Literature Prize for English Fiction und den Book Award for Best Fiction, stand auf der Longlist für den Frank O’Connor Award und wurde unter die zehn besten englischen Bücher Singapurs der letzten 50 Jahre gewählt.

Koe schreibt über Außenseiter und Querköpfe, über verlorene Individuen, die sich durch eine in Schieflage geratene Welt bewegen. Zeitgemäß, einfallsreich, atemberaubend. Es geht um Leidenschaften, Abhängigkeiten, Identität, Sex und (verlorene) Liebe.

Geschichten wie ein Schlag, ein Herztreffer, ein Blattschuss, ein wilder Hieb, der den Zentralmuskel des Gefühls für einen kurzen Moment aus dem Takt bringt und wilde, aufregende Wahrheiten offenbart.

Mehr zu diesem Titel hier.

 

Besucht uns an unserem Stand auf der Frankfurter Buchmesse in Halle 4.1, D81!

Zwei Titel, unplugged, zur Buchmesse: Carlo Schäfer und Amanda Lee Koe

CulturBooks-Veranstaltungen in Hamburg, Berlin und Frankfurt – unsere Buchpremieren und Lesungen im Oktober 2016

CulturBooks-Buchpremieren und Lesungen im Oktober 2016

Die Frankfurter Buchmesse rückt näher, Sie finden uns ab dem 19.10. in Halle 4.1, D81. Bitte kommen Sie vorbei, wir freuen uns auf Austausch und Gespräche. Unser Herbstprogramm finden Sie hier. Aus Singapur ist unsere Autorin Amanda Lee Koe zu Gast, die ersten Lesungstermine stehen fest, weitere folgen:

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Buchpremiere
15.10. BIRDLAND, Hamburg, Eimsbüttel, Gärtnerstraße 122: Literaturparty! „CulturBooks & Friends“: Die Hamburger Verlage Ariadne, CulturBooks und Edition Nautilus präsentieren aktuelle Bücher. CulturBooks feiert Buchpremiere mit der aus Singapur angereisten Amanda Lee Koe und ihrem mehrfach preisgekrönten Buch „Ministerium für öffentliche Erregung“. Deutsche Stimme: Zoë Beck.
Die Edition Nautilus ist mit Ingvar Ambjørnsen und seinem neuen Roman zu Gast (vorgestellt von der Übersetzerin Gabriele Haefs) und Verlegerin Else Laudan präsentiert die neuen Bücher des Ariadne Verlags. Einlass: 19:30 Uhr, Beginn: 21:00 Uhr. VVK €10

Verlagsparty
20.10. RESTAURANT ODYSSEE KULT, Frankfurt, Nordend, Weberstraße 77: Verlagsparty und Buchpremiere: CulturBooks präsentiert die Herbstneuerscheinungen: Carlo Schäfer: „Schmutz, Katz & Co“ und Amanda Lee Koe: „Ministerium für öffentliche Erregung“. Deutsche Stimme: Zoë Beck. Eintritt frei. Beginn: 19:00 Uhr.

Lesungen
17.10. BUCHHANDLUNG OCELOT, Berlin, Mitte, Brunnenstraße 181: Lesung mit Amanda Lee Koe. Deutsche Stimme: Zoë Beck. Eintritt frei. Beginn: 20:30 Uhr.

20.10. BUCHMESSE FRANKFURT, Leseinsel der unabhängigen Verlage: Lesung mit Amanda Lee Koe. Deutsche Stimme: Zoë Beck. 12:00 Uhr.

CulturBooks-Veranstaltungen in Hamburg, Berlin und Frankfurt – unsere Buchpremieren und Lesungen im Oktober 2016

„Regionen des Wahnsinns und des Traums“ – Jan Jacob Slauerhoff: Das verbotene Reich.

Slauerhoff_Reich_Cover240Das Buch

Hauptfigur des Romans ist der portugiesische Dichter Luís de Camões (1524–1580), der Schöpfer des portugiesischen Nationalepos »Die Lusiaden«. Er wird als großer Suchender gezeigt, als Abenteurer und Liebeskranker, der mit seinem Vater bricht und sich nach Macao einschifft, damals portugiesische Kolonie. Auf Befehl des Königs muss er als Gefangener reisen und soll nach seiner Ankunft als Soldat dienen. In Macao untergetaucht, begegnet Camões der jungen Pilar, die er, geschwächt und verwirrt durch seine abenteuerliche Flucht, für seine geliebte Diana hält. Er musste sie verlassen, weil der Sohn des Königs ein Auge auf sie geworfen hatte. Und dann gibt es 400 Jahre später einen irischen Funker, der durch Schiffbruch völlig aus der Bahn geworfen wird, sich verliert und glaubt, mit einem schreibenden Mann in jahrhundertealten Kleidern zu verschmelzen …

Diese Parabel über einen, der das abgesteckte Terrain bürgerlicher Restriktionen verlässt, der die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Sinn und Wahnsinn überschreitet und so die Möglichkeiten einer neuen Freiheit entdeckt, ist als Grundthema im Werk Slauerhoffs der Ausdruck seines eigenen lebenslangen Kampfes gegen eine verhasste bürgerliche Gesellschaft.

»Ein Heimwehbuch eines aufgejagten Dichters voller Weltschmerz, Weltverachtung und Mysterium« nennt Thelen den sprachgewaltigen Roman, dessen geheimnisvollem Sog man sich nicht entziehen kann.

Warum es uns gefällt

Es ist ein Abenteuerroman, der die Phantasie herausfordert, einer, der sich in die Regionen des Wahnsinns und des Traums hineinwagt; nicht Piraten sind die Hauptpersonen, sondern ein Dichter und eine schöne Frau, deren Liebe so groß ist, dass sie Raum und Zeit überwindet.

Pressestimmen

„In Albert Vigoleis Thelen, dem Autor der ‚Insel des zweiten Gesichts hat dieser Weltumsegler seines Innern einen späten, dafür aber kongenialen Übersetzer gefunden“ Gert Ueding

»Das ist ein Stück Traumliteratur von der feinen Art und beginnt auch so: ›Im September des Jahres 1540, als Lian Po nahezu achtzehn Jahre bestanden hatte, kam vor dem Nordtor eine kaiserliche Gesandtschaft an, die wohl den himmlischen Namen in ihrem Banner trug, aber keine Gastgeschenke mit sich führte und in den hellblauen Trauergewändern gekleidet ging.‹ Wer nach einem solchen Satz nicht weiterliest, ist niemals in seinen jugendlichen Lektürenächten auf den Spuren der großen Entdecker und Abenteurer mitgezogen.« FAZ

Lizenz: Weidle Verlag

Der Autor

Jan Jacob Slauerhoff (1898–1936) war »einer der großen Reisenden der niederländischen Literatur«, wie Cees Nooteboom schreibt. »Het verboden rijk« erschien 1932 in den Niederlanden und ist dort ein Klassiker. Slauerhoff arbeitete u. a. als Schiffsarzt der Java-China-Japan-Linie und verfaßte Erzählungen, Gedichte und Romane. Albert Vigoleis Thelen (1903–1989), der Autor von »Die Insel des zweiten Gesichts«, übersetzte »Das verbotene Reich« in den 1930er Jahren ins Deutsche. 1986 erst erschien diese Übersetzung bei Klett-Cotta; war danach lange vergriffen. Nun ist eine Neuauflage im Weidle Verlag und eine Digitalausgabe bei CulturBooks erschienen.

Der Übersetzer, Albert Vigoleis Thelen (1903-1989), war ein völlig unbekannter Autor, als 1953 sein Roman »Die Insel des zweiten Gesichts« erschien, ein umfangreicher Schelmenroman, der von der Kritik in die Weltliteratur eingereiht und ein Jahr später mit dem Fontane-Preis ausgezeichnet wurde.

 

Jan Jacob Slauerhoff: Das verbotene Reich. Roman. Aus dem Niederländischen von Albert Vigoleis Thelen. CulturBooks Longplayer, April 2016. Digitale Lizenz. Circa 191 Seiten. 13,99 Euro. ISBN 978-3-95988-046-6

„Regionen des Wahnsinns und des Traums“ – Jan Jacob Slauerhoff: Das verbotene Reich.

Lisa Nerz – komplett digital.

Es ist vollbracht! Die gesamte Lisa Nerz-Reihe von Christine Lehmann ist ab sofort digital verfügbar. Gerade erschien der neueste Roman Allesfresser, von dem Presse und Leser*innen begeistert sind. Und wir haben auf einen Schlag sechs der älteren Romane in eBooks verzaubert und in die Shops gestellt.

Wir von CulturBooks haben zehn digitale Lizenzen für die Lisa Nerz-Romane, zwei sind über den Ariadne Verlag verfügbar, wo auch die Printausgaben erscheinen. Wir freuen uns sehr darüber, Christine Lehmann im Programm zu haben!

Hier alle Titel im Überblick:

Lehmann_allesfresser_Cover_240Allesfresser. Der zwölfte Fall für Lisa Nerz. Kriminalroman.
CulturBooks Longplayer, April 2015. Digitale Lizenz.
256 Seiten. 8,99 Euro.
Zum Buch.

cover_240x384_longplayer_lehmannDie Affen von Cannstatt. Der elfte Fall für Lisa Nerz. Kriminalroman.
CulturBooks Longplayer, Oktober 2013. Digitale Lizenz.
285 Seiten, 8,99 Euro.
Zum Buch.

Lehmann_TeufelMit Teufelsg’walt. Der achte Fall für Lisa Nerz. Kriminalroman.
CulturBooks Longplayer, Mai 2016. Digitale Lizenz.
Circa 288 Seiten. 7,99 Euro.
Zum Buch.

Lehmann_NachtkraterNachtkrater. Der siebte Fall für Lisa Nerz. Kriminalroman.
CulturBooks Longplayer, Mai 2016. Digitale Lizenz.
Circa 480 Seiten. 8,99 Euro.
Zum Buch.

Lehmann_dackelAllmachtsdackel. Der sechste Fall für Lisa Nerz. Kriminalroman.
CulturBooks Longplayer, Mai 2016. Digitale Lizenz.
Circa 316 Seiten. 7,99 Euro.
Zum Buch.

Lehmann_HoehlenangstHöhlenangst. Der fünfte Fall für Lisa Nerz. Kriminalroman.
CulturBooks Longplayer, Mai 2016. Digitale Lizenz.
Circa 320 Seiten. 6,99 Euro.
Zum Buch.

Lehmann_SchuleHarte Schule. Der vierte Fall für Lisa Nerz. Kriminalroman.
CulturBooks Longplayer, Mai 2016. Digitale Lizenz.
Circa 255 Seiten. 6,99 Euro.
Zum Buch.

Lehmann_Pferdekuss240Pferdekuss. Der dritte Fall für Lisa Nerz. Kriminalroman.
CulturBooks Longplayer, Mai 2016. Digitale Lizenz.
Circa 250 Seiten. 6,99 Euro.
Zum Buch.

Lehmann_Schlachthof_Cover240Gaisburger Schlachthof. Der zweite Fall für Lisa Nerz. Kriminalroman.
CulturBooks Longplayer, März 2015. Digitale Lizenz.
253 Seiten. 6,99 Euro.
Zum Buch.

lehmann240Vergeltung am Degerloch. Der erste Fall für Lisa Nerz. Kriminalroman.
CulturBooks Longplayer, Februar 2014. Digitale Lizenz.
221 Seiten. 6,99 Euro.
Zum Buch

Lisa Nerz – komplett digital.

„Allesfresser“ von Christine Lehmann

Lehmann_allesfresser_Cover_240„Allesfresser“ ist der zwölfte Fall ist für Lisa Nerz – und eine besondere Herausforderung. Ein berühmter Koch ist verschwunden. Im alten Rosensteintunnel taucht eine grausige Leiche auf. Lisa begibt sich zuerst online auf Spurensuche. Sie soll die Identität der Person herausbekommen, die im Netz ein anonymes Veganblog verfasst. Denn die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hegt einen schrecklichen Verdacht.

Schnell merkt sie: In den sozialen Medien ist das Thema Ernährung sehr präsent. Da tobt der reinste Glaubenskrieg um die Frage, was wir essen sollten, vielstimmig, aggressiv und giftig. Doch um das weite Feld der Spielarten zwischen veganer Lebensweise und politischem Veganismus kennenzulernen, muss Lisa Nerz die Lederjacke ausziehen, den Computer ausschalten und sich in die Schlacht zwischen Omnivoren und Veganern begeben. Und wieder zeigt sich: Es ist alles ganz anders, als gedacht.

„Allesfresser“ erscheint bei CulturBooks als digitale Lizenz. Die Verlegerin Else Laudan von Ariadne sagt dazu: „Das tolle an Lisa-Nerz-Romanen ist, dass ich in jedem einzelnen so viel über unsere Welt lerne, wobei zugleich das Gefühl vorherrscht, ›bloß‹ locker unterhalten zu werden. In dieser Hinsicht leisten Christine Lehmanns Krimis bei aller Flapsigkeit genau das, was zu den vornehmsten Aufgaben von Literatur gehört: Sie beleuchten ein Stück Wahrheit. Und sei es nur die, dass Entscheidungen rund ums Essen folgenreicher sind, als wir uns tagtäglich klarmachen. Guten Appetit!“

Und hier geht es zum Beitrag auf Deutschlandradio Kultur, Thomas Wörtche hat das Buch besprochen.

Zur Homepage der Autorin.

Zum eBook.

Zum Printbuch.

 

 

„Allesfresser“ von Christine Lehmann

Unsere neue Vorschau ist da!

CB_Vorschau_herbst-2016Wir freuen uns über starke Hardcover und Digitaleditionen. Sie können unsere aktuelle Vorschau hier durchblättern oder sie als PDF herunterladen: EinzelseitenansichtDoppelseitenansicht.

Rezensionsexemplare stellen wir Presse und Bloggern gerne zur Verfügung.

Unseren Leserinnen und Lesern danken wir ganz herzlich für Ihre Treue und Ihr Vertrauen und hoffen, dass wir Sie auch weiterhin mit unserem Programm überzeugen können.

Auch stehen wir den Buchhändlerinnen und Buchhändlern gern für Gespräche, Veranstaltungen, Austausch bereit.

Wir wünschen Ihnen einen entspannte Frühling und einen sonnigen Sommer.

Unsere neue Vorschau ist da!

„Ich mag es, die Grenzen dessen auszutesten, was ich als Autor tun kann.“

carl-nixon-fishn_2401Gerade frisch bei CulturBooks erschienen: die Erzählungen des neuseeländischen Autors Carl Nixon in deutscher Übersetzung, „Fish’n’Chip Shop Song und andere Geschichten“. (Auch seine drei Romane liegen bei uns digital und auf deutsch vor.) Drei frisch gebackene Übersetzerinnen haben die Geschichten unter sich aufgeteilt und großes Talent für die Übertragung bewiesen. Eine von ihnen, Kim Keller, die Carl Nixon seit einigen Jahren auch persönlich kennt und die Veröffentlichung seiner Romane in Deutschland beim Weidle Verlag begleitet hat, sprach mit ihm über die kurze Form, über das Schreiben allgemein, und über Väter und Söhne. 

Kim: Was ist deiner Meinung nach das Faszinierende an Kurzgeschichten? Inwieweit unterscheidet sich das Schreiben einer Kurzgeschichte von dem eines Romans?

Carl: Kurzgeschichten sind eine wunderbare Form für Autoren, um sich auszuprobieren, wenn der- oder diejenige zum ersten Mal auf eine Veröffentlichung hinarbeitet, quasi eine Lehre macht. Sie haben den Vorteil der Kürze, das bedeutet, sie sind leichter zu bewältigen als ein kompletter Roman – man braucht Wochen und nicht Jahre, um sie zu vollenden. Darüber hinaus lehren sie Disziplin, indem sie den Autor fokussieren; kein Wort darf überflüssig sein. Stil und Figuren sind alles. Wenn eine Kurzgeschichte ein Teil eines Puzzles ist, dann ist ein Roman das komplett zusammengesetzte Puzzle.

Kim: In Deutschland wird das Genre der Kurzgeschichte erst in den letzten paar Jahren mehr beachtet, zuvor wurde es eher vernachlässigt. Was glaubst du, warum lesen Leser lieber einen Roman als eine Kurzgeschichte? Was würdest du diesen Lesern sagen, um sie davon zu überzeugen stattdessen ein paar Kurzgeschichten zu lesen?

Carl: Ich kann nicht für jeden sprechen, aber ein Roman stellt dem Leser einen Standpunkt zur Verfügung, eine Welt, die sie betreten können, tagelang oder sogar wochenlang. Eine Kurzgeschichte kann sehr schnell gelesen werden und sich deshalb mehr wie ein Snack anfühlen, als wie ein Mahl. Ich würde den Lesern vorschlagen sich Kurzgeschichtensammlungen von sehr guten Autoren auszusuchen; die Geschichten stehen für sich alleine, doch sie funktionieren gleichzeitig als übergreifende Sammlung.

Kim Keller (c) Roman Lüftner
Kim Keller (c) Roman Lüftner

Kim: Du experimentierst hin und wieder mit verschiedenen Erzählperspektiven in deinen Kurzgeschichten und Romanen, zum Beispiel durch direkte Ansprache des Lesers oder durch eine Wir-Perspektive (z.B. „Rocking Horse Road“). In der Erzählung „Seines Auges Apfel“ kommentiert der Erzähler häufig das Geschehen. Wieso weichst du gern von den gewöhnlichen allwissenden oder Ich-Erzähler-Perspektiven ab? Was sind die Vorteile einer ungewöhnlichen Perspektive?

Carl: Ungewöhnliche Perspektiven sind für mich am Anfang zunächst mal ein Experiment. Ich frage mich, ob ich das tun kann, setze es fort, erschaffe einen Effekt, der den Themen der Geschichte dient. Manchmal funktioniert das gut, manchmal ist es weniger erfolgreich. Außerdem bin ich sehr schnell gelangweilt, ich mag es, die Grenzen dessen auszutesten, was ich als Autor tun kann. Manchmal scheitere ich, aber das macht nichts, denn ich habe etwas gelernt.

Kim: Woher nimmst du die Ideen für deine Geschichten? Was sind deine Einflüsse?

Carl: Heutzutage konzentriere ich mich mehr auf das Schreiben von Romanen und Theaterstücken (obwohl es interessant ist, dass eine gute Idee fürs Theater oft auch eine gute Idee für eine Kurzgeschichte ist. Kurzgeschichten und Theaterstücke konzentrieren sich auf die Figuren, der Ton ist unerlässlich, und beide bewegen sich in begrenzten Schauplätzen). Ich halte immer Ausschau nach einer Idee. Bekannte, Zeitungen, Magazine, Film, Fernsehen liefern mir Ideen.

Kim: Deine Kurzgeschichten beschäftigen sich sehr häufig mit unglücklichen Charakteren, und der Tod spielt eine große Rolle. Warum?

Carl: Es ist sicherlich schwerer, über glückliche Charaktere zu schreiben. Es gibt wenig Dramatik oder erzählerischen Schwung im Glück.

Kim: In vielen deiner Erzählungen, wie z.B. in „Wie Tapete“ oder „Mein Vater und der tote Junge“, als auch in deinem Roman „Settlers Creek“, wird die schwierige Beziehung zwischen Vater und Sohn thematisiert. Was fasziniert dich an diesem Thema?

Carl Nixon (c) Stephanie Nixon
Carl Nixon (c) Stephanie Nixon

Carl: Ich schreibe meistens aus einer männlichen Perspektive heraus. Einer der fundamentalsten und allgemeingültigsten Aspekte des Daseins als Mann ist, dass man einen Vater hat. Jeder hat das, ein Elternteil desselben Geschlechts, jemand, an dem man sich selbst misst. Selbst für Jungs und Männer, die ihren Vater niemals getroffen haben, spielt er eine wichtige Rolle in ihrem Leben. Manchmal sogar mehr, als wenn er jeden Tag anwesend wäre.

Kim: Deinen ersten Roman, „Rocking Horse Road“, hast du aus einer deiner Kurzgeschichten weiterentwickelt. Warum hast du dich entschieden, einen Roman daraus zu machen? Hast du vor, noch weitere Kurzgeschichten zu Romanen auszubauen?

Carl: Diese recht lange Kurzgeschichte schrieb ich als Reaktion auf einen Wettbewerb einer lokalen Zeitung. Sie wollten jeweils 1500 Wörter an fünf aufeinanderfolgenden Tagen. In diesem Format wurde die Erzählung veröffentlicht. Kurze Zeit später, ein paar Wochen, wenn ich mich recht erinnere, bewarb ich mich für ein Stipendium für Kreatives Schreiben an der Universität von Christchurch, wo ich lebe. In meiner Bewerbung musste ich darlegen, welches Projekt ich plane, wenn ich das Stipendium, das ein Jahr dauern sollte, bekommen würde. Ich sagte, ein Roman, der auf meiner Kurzgeschichte basiert. Es hat funktioniert. Der träumerische, leicht jenseitige Ton der Kurzgeschichte übertrug sich in den Roman, und ich denke, er sticht als etwas anderes als die meisten Romane hervor, ein Hybrid. Ich plane nicht, noch weitere Romane zu schreiben, die auf Kurzgeschichten basieren, doch ich habe seitdem zwei Kurzgeschichten in Theaterstücke verwandelt – „The Raft“ und „Fish’n‘Chip Shop Song“.

Kim: Liest du selbst gerne Kurzgeschichten? Welche Autoren von Kurzgeschichten magst du? Welche Autoren beeinflussen deine eigene Arbeit?

Carl: Ich lese immer noch Kurzgeschichten, jedoch nicht mehr so viele wie früher, als ich jünger war. Der größte Einfluss waren für mich die Kurzgeschichten der lokalen Legende Owen Marshall. Seine Sammlungen waren brillant, doch außerhalb von Neuseeland ist er ziemlich unbekannt. Darüber hinaus mag ich die Kurzgeschichten von Hemingway, Raymond Carver, Richard Ford, Alice Munroe, Ron Rash, Miranda July, Lorrie Moore und dem Australier Tim Winton. Die Liste ist sehr abwechslungsreich, aber das ist ja das Schöne an Kurzgeschichten.

Carl Nixon: Fish ’n’ Chip Shop Song und andere Geschichten. Übersetzt von Kim Keller, Martina Schmid und Sophie Sumburane. Digitale Originalausgabe. CulturBooks Album, März 2016. 215 Seiten. 8,99 Euro. ISBN 978-3-95988-037-4

„Ich mag es, die Grenzen dessen auszutesten, was ich als Autor tun kann.“