Carlo Schäfer ist gestorben

Carlo Schäfer ist gestorben
Januar 1964 – September 2015

Letzte Woche ist unser Autor Carlo Schäfer gestorben. Vollkommen überraschend und viel, viel zu früh – er wurde nur 51 Jahre alt. Das ist unfassbar traurig und schrecklich, eine Katastrophe für seine Familie, seine Freunde und alle, die mit ihm zu tun hatten.

Carlo Schäfer (c) Christian Buck
Carlo Schäfer (c) Christian Buck

Carlo Schäfer wurde mit seinen im besten Sinne schrägen Kriminalromanen aus dem Delta – der Gegend, wo Rhein und Neckar zusammenfließen – bekannt, die, obwohl in der Region basiert, alles andere als Regio-Krimis waren. Es folgte der grandiose Kurz-Krimi „Kinder und Wölfe“. Daneben war er Kabarettist, Filmemacher und Stückeschreiber.

In seiner Persona als Carlos hat er sich in hunderten von Kolumnen für das CulturMag seit 2009 mit dem Wahnwitz namens Alltag, der uns umgibt, angelegt. Carlos bannte die täglichen Plagegeister, die da heißen Dummheit, Blödigkeit, Dreistigkeit, Ahnungslosigkeit, Frechheit, Gemeinheit, Widerwärtigkeit, Schmierigkeit und Gier mit der so ziemlich schärfsten ästhetischen und erkenntnistheoretischen Waffe, die es gibt: Mit Komik.

Carlos kannte keine Berührungsängste, er ging direkt ins Handgemenge mit den Scheußlichkeiten dieser Welt, unerschrocken hat er ihn geführt, den Kampf gegen den galoppierenden Wahnsinn der Welt, stellvertretend für uns alle.

Seine Waffen waren Sprachgewalt, ein rabelais´scher Furor, ein präziser Blick für das Komische, Bizarre und Groteske, das sich auch in anscheinend unschuldigen Manifestationen über uns ergießt und unsere Gehirne und Seelen verklebt und verkleistert.

Carlo Schäfers Witz war hellwach und ganz und gar einzigartig. Dies zeigt sich auch in seinen Prosaarbeiten. Der Roman „Der Tod dreier Männer“, seine noch nicht publizierte lange Novelle „Lehrer Dr. Katz“ und mit ziemlicher Sicherheit auch ein großer Roman, der Fragment bleiben muss, sind Meisterwerke literarischer (Hoch-)Komik. „Romans noirs ohne ein einziges Stereotyp des noir, tragische und komische, groteske und deswegen extrem realistische Texte, irgendwo zwischen Kafka und Daniil Charms oszillierend, originell und radikal.

So konsequent verzweifelt-heiter-giftig ist das ganz normale Leben unserer Gegenwart in der deutschsprachigen Literatur seit ewigen Zeiten nicht mehr in eine ästhetisch brillante Form gebracht worden“, schreibt Thomas Wörtche in seinem Nachruf bei CulturMag.

Es wird so vieles fehlen.

Wir trauern um unserem Autor und sind in Gedanken bei seiner Familie.

CulturBooks Verlag
Zoë Beck, Jan Karsten und alle Mitarbeiterinnen

Carlo Schäfers Bücher bei CulturBooks.
Nachruf von Thomas Wörtche auf Culturmag.

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